Juckreiz Die Jugendumweltzeitung aus Berlin
Gats, ein kleiner, fieser, im Wald lebender Gnom. So könnte beispielsweise ein Satz in einem Fantasy-Roman lauten. Oder: Gats, ein neuer, kürzlich entdeckter Virus, der die Weltbevölkerung bedroht. Das kommt der eigentlichen Bedeutung schon etwas näher. Gats ist zwar im medizinischen Sinn gesehen kein Virus, aber dennoch eine Bedrohung. Das denkt jedenfalls der Teil der Bevölkerung, der weiß, dass Gats für General Agreement on Trade in Services (allgemeines Abkommen über Handel mit Dienstleistungen) bedeutet und ein Abkommen der Mitgliedstaaten der Welthandelsorganisation WTO zur Liberalisierung des Dienstleistungssektors ist.
Der Markt für Dienstleistungen wird nahezu uneingeschränkt dem Wettbewerb geöffnet, wobei der Staat die meisten Mittel zur Regulierung des Marktes verliert. Sämtliche Dienstleistungen sind davon betroffen, wie zum Beispiel der gesamte Bildungssektor, die universitäre Forschung, das Ingenieur- und Bauwesen, Wasserver- und -entsorgung, Telekommunikation, Verkehr, Tourismus, sogar Bibliotheken und Energieversorgung.
Die wenigen, die das Wort „Gats“ doch schon einmal gehört hatten und nicht an kleine Gnome in den Wäldern glaubten, gründeten Ende Oktober in Wandlitz nördlich von Berlin mit Hilfe von BUNDjugend und attac einen bundesweiten Arbeitskreis zum Thema Welthandel und Ökologie. Da das Gats sämtliche Sektoren umfasst und es schon andere Gruppen zu den jeweiligen Themen gibt, entschied sich die Gruppe für den Umweltsektor, der zum Beispiel Energie, Wasser und Umweltdienstleistungen umfasst.
Der Arbeitskreis unterteilt sich in drei verschiedene Kleingruppen, die verschiedene Aufgaben bearbeiten: Informationsbeschaffung, Kampagnen/Aktionsplanung und Request-Recherche. Letztere Arbeitsgruppe bearbeitet die geheimgehaltenen Forderungen, die die einzelnen Länder einander stellen.
Im Mittelpunkt des Engagements steht, das Thema transparenter zu machen und klarzumachen, dass Gats nicht nur ein unwichtige Figur eines Fantasy-Romans, sondern der Hauptakteur der Privatisierung der Erde ist. Das ist einfacher gesagt als getan, denn wie soll Gats „berühmt“ werden, wenn es doch nie in den Medien vorkommt? Haben wir nicht das Recht darauf, Informationen über ein Thema zu bekommen, das unser alltägliches Leben betrifft?
Nadine Braun
Wer mehr wissen will über Gnome oder Viruskrankheiten, schaue zum Beispiel unter www.attac-netzwerk.de oder www.gats.de vorbei. Informationen zum Arbeitskreis gibt es bei der BUNDjugend unter Telefon 030/39 28 280 oder 030/27 58 65 88.
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