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Verboten, aber verbreitet

Milch mit Honig – und Antibiotika

(sd) Wenn der Berliner im Winter fröstelnd und mit starren Fingern den Schlüssel in seiner Wohnungstür dreht, dann haben ihn in der Regel zwei Faktoren heimgetrieben: Einerseits natürlich die Kälte, andererseits aber dieser bedrängende Gedanke von einem Glas heißer Milch mit Honig, das daheim auf ihn wartet. Nur selten ist er sich bewußt, dass mittlerweile selbst der gesunde Honig schädlich sein kann. Viele Imker benutzen verbotene Medikamente um Krankheiten im Bienenstock zu bekämpfen.

Doch Omas altbewährtes Hausrezept bringt dieser Tage einen bitteren Nachgeschmack mit sich. Seit einigen Jahren untersuchen Wissenschaftler an verschiedenen Universtitäten Honige im Hinblick auf ihre Belastung mit chemischen Substanzen. Am Anfang herrschte besondere Besorgnis aufgrund von Pestiziden, die über den Nektar mit der Honigbiene in den Honig gelangen könnten. Allerdings gehören Pestizide mittlerweile zum kleineren Übel, da sich ihre Konzentration in Honigen auf einem relativ niedrigen Niveau hält. „Ist der Nektar einer Pflanze sehr stark damit belastet, kommt die Biene gar nicht erst zum Volk zurück, sondern stirbt bereits auf dem Weg dorthin“, weiß die Imkerin Brigitta Schön.

Seit ein paar Jahren gehen andere Mittel in den Bienenstöcken um. Es sind Antibiotika, die gegen verschiedene Bienenkrankheiten eingesetzt werden, insbesondere gegen die Faulbrut. Dabei könne selbst mit Antibiotika diese Erkrankung nicht erfolgreich behandelt werden, weiß Schön. Aus diesem Grund sind diese Mittel offiziell strengstens verboten, werden aber dennoch weiterhin in Imkereien angewendet. Das Problem wird dadurch verschlimmert, dass jegliche Honigkontrollen der Imker freiwillig erfolgen und „kein Honig geprüft werden muss“, so Birgit Lichtenberg-Kraag vom Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf.

In Brandenburg gibt es inzwischen das Gütesiegel „Roter Adler“, das für sicher geprüfte Qualität steht. In Berlin wurde meint sie und fügt hinzu: „Aber man kann es sicher nicht ausschließen.“

Qualitative Honiguntersuchungen kommen den Imker recht teuer zu stehen. Etwa 40 bis 100 Euro müssen dafür schon aufgebracht werden. Honiganalysen umfassen nicht nur die chemisch-biologische Untersuchung des Erzeugnisses, sondern unter anderem auch die Sauberkeit oder, ob der Honig richtig behandelt und gelagert wurde. Noch gebe es zu wenig Institute, die diese Analysen durchführen können, so Lichtenberg-Kraag. Imker, die jene Kontrollen dennoch durchführen lassen, können dies mit einem Zertifikat nachweisen. Wer sich also nicht hundertprozentig darüber sicher ist, was in seinem Honig noch alles enthalten sein könnte, sollte seinen Imker beim nächsten Besuch ruhig auch darauf ansprechen.

Die Geburt des Honigs

(sd) Die Anfänge der Imkerei und ihrer Anwendungen lassen sich bis ins Mittlere Ägypten zurückverfolgen. Um etwa 1.900 vor Christus bildeten sich die ersten Bienenzüchter heraus. Um diese Zeit brachten sie Honig in die Medizin und Kosmetik, aber besonders auch in religiöse Zeremonien.

Schon 100 Jahre vorher rieben die Syrer die Körper der Verstorbenen mit Wachs und Honig ein. Bereits in der Bibel rät Salomon seinem Sohn: „Sohn, iss Honig, denn er ist gesund, und auch die süße Honigwabe wird dir schmecken.“ Allen voran die Griechen, insbesondere Aristoteles, schätzten das Naturprodukt sehr und setzten es vielfältig ein.

Hippokrates, Arzt der Antike, wusste von einer fiebersenkenden Wirkung des Honigs und verwendete ihn auch bei offenen Wunden. Demokrit und Pythagoras waren sich sogar darin einig, dass Honig das Leben verlängern könne und einen sinnvollen Beitrag für die Geisteskraft leisten würde. Im alten Griechenland wurde besonders Thymianhonig geschätzt, welcher aus dem Himetgebirge kommt. Einer Legende nach verdankten die Götter diesem Erzeugnis ihre Unsterblichkeit.

Eine vergleichbare Legende taucht auch bei den Germanen auf. Der Gottvater Odin erhielt durch diese „Götterspeise“ nicht nur seine Unsterblichkeit, sondern auch Weisheit und Kraft. Wohl darauf ist es zurückzuführen, dass der Honig einen besonderen Wert erhielt und Bienenzüchter ihn teilweise als Steuer abführen mussten.


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