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Buchkiste

Ausdenken

Wie Journalisten lügen

(sb) Nicht nur die angeblichen Hitler-Tagebücher waren erstunken und erlogen. Schon seit Jahrzehnten haben Journalisten Berichte geschönt, Zitate erdacht oder ganze Reportagen komplett erfunden. Für eine gute Story war kaum einem etwas zu schade.

Anfangs belohnten die Leser den Erfindungsreichtum, waren doch auch schriftstellerische Glanzleistungen darunter. Doch mit der Zeit nahm auch der Anspruch zu, die Berichterstatter mögen sich doch bitte auf ihre ursprüngliche Funktion beschränken und Berichterstattung nicht mit Erfindungsgeist verwechseln.

Udo Ulfkotte hat in seinem Buch „So lügen Journalisten“ eine beachtliche Anzahl von Märchen zusammengetragen. Besonders beeindruckend wirkt seine detaillierte Recherche, die selbst unglaubliche Entdeckungen realistisch macht. Zwar liest sich die Sammlung auf Grund dieser Detailtiefe etwas trocken, doch der Inhalt entschädigt in jedem Fall.

Udo Ulfkotte: So lügen Journalisten, Goldmann Verlag, 9,90 Euro

Essen

Bio-Lebensmittel

(go) Das neue Greenpeace Magazin (Januar/Februar 2003) beschäftigt sich auf 100 Seiten mit dem Thema (Bio-)Lebensmittel. Aus verschiedenen Blickwinkeln wird es betrachtet: „Vollkornkekse sind auch gut als Eishockey-Pucks“, meint z.B. das Kind einer Familie, die versucht, sich 4 Wochen lang „biologisch“ zu ernähren. Ist es in anderen Ländern eigentlich genauso einfach, an Bio-Lebensmittel zu kommen, wie hierzulande? Was sind denn überhaupt die Vorteile von Bio und die Vorurteile? Viele Seiten beschäftigen sich also mit Konsum, ganz nach dem Motto: Der/Die VerbraucherIn hat die Macht! Ein Serviceteil bietet daher Tipps für den Einkauf und für Engagement. Doch welche Mächte sind jenseits der Verbrauchermacht am Werk? Da sind z.B. die EU-Agrarsubventionen, die Überproduktion befördern und Täuscher, denen die Lebensmittelqualität „wurscht“ ist. Abgerundet wird das informative Heft mit ganzseitigen Bildern rund ums Thema Essen: ein Wurst-Mosaik eines belgischen Künstlers, würfelförmige Melonen aus Japan, etc. Zu empfehlen ist das Greenpeace Magazin deswegen auch für Leute, die noch appetitliche Bilder zum Dekorieren ihrer Küche (oder Toilette) suchen.

Greenpeace Magazin Schöner Essen, Januar/Februar 2003, 4,50 Euro

Glück und Arbeit

ohne mICH-AG

(go) Nachdem der „Bundesgaukler“ 1998 der BILD-Zeitung diktiert hat, dass es kein Recht auf Faulheit gebe, hat sich nun auch die sogenannte Hartzkommission des „Arbeitslosenproblems“ angenommen. Deren Vorhaben (z.B. Ich-AG, Personal-Service-Agenturen, ...) werden die Arbeitslosen, aber auch die ArbeitnehmerInnen, mehr denn je stressen. Ist es da noch möglich, als ArbeitsloseR glücklich zu sein? Fraglich. Aber es gibt sie, die „Glücklichen Arbeitslosen“. Gegründet haben sie sich 1996, und sie haben „fleißig“ Pamphlete, Flugschriften, Vorträge und Aktionen produziert. Die gesammelten Werke sind nun mit dem Buch „Mehr Zuckerbrot, weniger Peitsche“ von Guillaume Paoli herausgegeben worden. Die Glücklichen Arbeitslosen schlagen der Regierung z.B. vor, das „Bündnis für Arbeit“ lieber in „Bündnis für Simulation“ umzubenennen: „Ihr tut, als ob ihr Arbeitsplätze schafft, wir tun, als ob wir arbeiten.“ Oder zum Thema Dienstleistungsgesellschaft: „Wer seinen Arsch selbst abwischt, vernichtet Arbeitsplätze“. Die witzigen Texte sind mit vielen Wortspielen gewürzt und lassen sich schnell lesen. Doch das Nachdenken nimmt dann umso mehr Zeit in Anspruch: Warum ist man eigentlich gezwungen, eine Lohnarbeit auszuüben, obwohl man Sinnvolleres zu tun hat?

Guillaume Paoli (Hrsg.): Mehr Zuckerbrot, weniger Peitsche, Aufrufe, Manifeste und Faulheitspapiere der Glücklichen Arbeitslosen, Edition Tiamat, 14,00 Euro

Glück und Musik

Die Melodie des Streichquartetts

(sb) Cis-d-cis-h-cis-fis... Wer diese Melodie einmal gehört hat, wird von Margriet de Moors Roman verzaubert sein. Denn das Motiv aus Janacecks Kreutzersonate zieht sich wie ein seidenes Band durch die Geschichte, in der die Autorin Liebe, Musik und Hass auf magische Art und Weise miteinander verknüpft. „Kreutzersonate“ liest man nicht nur, man hört gleichzeitig die Melodie des Streichquartetts, die de Moor kunstvoll zwischen den Worten verwoben hat. Auch der blinde Musikkritiker kann seine Geliebte nicht sehen, aber er verliebt sich in diese Frau, weil sie die Kreutzersonate zu einem ganz besonderen Stück Musik macht.

Margriet de Moor: Kreutzersonate, Hanser Verlag, 15,90 Euro


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