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Erzkonservative Schülerverbindung „Theodor Fontane“

Bier und politische Diskussionen

„Wir sind eben stramm rechts, aber halt nich’ mit Hitler-Rufen und so“, erklärt Claus*, ein Rechtsanwalt mittleren Alters und Mitbegründer der Pennalen Burschenschaft „Theodor Fontane“. Sie zählt zu den zahlreichen deutschen Schülerverbindungen, die meist Jugend-Abteilungen der studentischen Burschenschaften sind. Wie auch die „PB ! Theodor Fontane“ wurden sie gegründet, um auch Nicht-Akademiker und solche, die noch ein Gymnasium besuchen, für den ernsthaften politischen Diskurs zu rekrutieren.

An diesem lauen Frühlings-Abend findet im feinen Zehlendorf die Semesterabschluss-Kneipe statt. Von weitem schon sind die Kaiser-Flaggen „schwarz, weiß und rot“ des Gründerzeit-Hauses zu erblicken. „Es wurde damals von der Mutterverbindung der „Märker“ gekauft, als es noch mehr Geld gab“, berichtet ein Bundesbruder. Das mit alten Möbeln eingerichtete Haus verfügt über eine kleine Küche, einen Skatraum („für die alten Säcke“) sowie einen Arbeitsraum für die Organisation und Verwaltung. Oben können Studierende wohnen, im Keller befinden sich urige Partyräume.

In dem gemütlichen Veranstaltungsraum hängen Hunderte von Bildern ehemaliger Mitglieder, Atmosphäre und Einrichtung erinnern an tief bayerische Stammkneipen. Man vergnügt sich in feinen Anzügen an langen Tischen, unterhält sich über die neusten Politik-Affären, witzelt über Lehrer und Professoren und trinkt ein Bier nach dem anderen. Jede Viertelstunde unterbricht der Vorsitzende die muntere Runde mit einem preußisch-korrekten „Silencio“. Wenn einige deutsche Lieder à la „märkische Heide“ gesungen wurden, geht der Abend weiter, open end.

Die schätzungsweise 120 deutschen Schülerverbindungen stehen in stolzer Tradition der ersten studentischen „Urburschenschaft“, die 1815 in Jena gegen den Zerfall Deutschlands und seine autoritären Heerscher gegründet wurde. Seither verfechten alle nachfolgenden Verbindungen die Ideale der „Ehre – Freiheit – Vaterland“. Dabei wird bei den meisten Verbindungen Wert auf die Feststellung gelegt, dass auch für die Ehre und Freiheit anderer Völker einzutreten ist. Heute gehören dem Dachverband der „Deutschen Burschenschaft“ nach eigenen Angaben etwa 20.000 Mitglieder an, darunter viele Akademiker und Personen des öffentlichen Lebens.

Auch bei der „Theodor Fontane“ verweist man besonders gerne darauf, einen amtierenden Landesrichter und mehrere angesehene Professoren in seinen Reihen zu wissen. Claus und seine jungen Burschenschaftler fangen mit der Kultur leicht an: Mehrmals im Monat stehen Grillpartys, Wanderungen, historische Vorträge, Filmabende („deutsche Klassiker“) und interne Konvente auf dem Programm.

Allerdings scheint das konservative Image nicht unbedingt mehr Mitglieder anzulocken. Friedrich*, das jüngste Mitglied, stolziert mit Anzug herum und erklärt, die „Theodor Fontane“ hätte gegenwärtig etwa 25 Mitglieder. Neue, egal ob Linke oder Rechte, seien jederzeit willkommen. Der Anwalt Claus hingegen verdammt die PDS und witzelt aggressiv über Schwule. Wegen ähnlicher Äußerungen wurden die Schülerverbindungen schon öfters in die rechte Ecke gestellt. Weil man derart schlechte Presse leid ist, schlägt Reportern ein gereizter Umgangston entgegen. Den Autoren dieses Berichts wurde im Falle der Nennung von realen Namen von der Schülerverbindung mit rechtlichen Schritten gedroht.

Ganz unbegründet scheint die kritische Beobachtung der konservativen „Jugendclubs“ nicht zu sein: Die befreundete Verbindung „Gothia“ etwa geriet 1999 in die Schlagzeilen, als der NPD-Vordenker Horst Mahler bei ihr auftreten durfte. Derart rechte Mitglieder werden von den Bundesbrüdern als „schwarze Scharfe“ abgetan, man selber sei doch nur an dem gehaltvollen Miteinander interessiert.

* Alle Namen geändert

Jochen Schneider und Johann Beutel


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