210 Kilogramm davon verbraucht einE DeutscheR jedes Jahr: Papier. Als Zeitung, zum Schreiben, als Verpackung, zum Hinternabwischen. Der Rohstoff dafür ist insgesamt zur Hälfte altes Papier. 90% der Verpackungen aus Papier sind aus Altpapier, aber nur 8% der graphischen (=Druck- und Schreib-) Papiere.
Dieser hohe Papierverbrauch der weltweite Durchschnittsverbrauch liegt bei 45 kg pro Jahr verursacht enorme ökologische Schäden. Denn Papier ist nicht einfach umweltfreundlich, wie es auf vielen Papierverpackungen steht. Auch für Papier werden große Mengen Energie verbraucht, Wasser verschmutzt, Luft verpestet und Lebensräume zerstört. Zwar weniger als bei manchen anderen Materialien, aber in den Auswirkungen doch erschreckend.
Doch das müßte eigentlich nicht sein. Denn für jeden gängigen Einsatzbereich gibt es eine Alternative aus 100% Altpapier.
Und etwas anderes begegnet uns in Schule und Uni auch noch regelmäßig unter dem Begriff Schulmaterial: Stifte, Kleber, Tipp-Ex... Und auch dabei finden die Ökos und Gesundheitsfreaks wieder was zu meckern: Der Inhalt einer durchschnittlichen Federtasche ist weder umwelt- noch gesundheitsfreundlich. Bleiben noch die geliebten Plastikschnellhefter, die nach ihrem einen Lebensjahr den Müllberg unnötig vergrößern, und unsere geliebten Patronenfüller. Viele werden sagen das kleine bißchen Müll von meiner einen Patrone. Aber aus diesem kleinen bißchen wird ganz schnell ein großer Müllberg, wenn alle SchülerInnen nur jeweils eine einzige Patrone wegschmeißen.
Situation: Weißes Papier, Hefter aus Plastik. Problem: Weißes Papier verbraucht bei der Herstellung große Mengen an Energie und Wasser pro Kilogramm Papier etwa acht Kilowattstunden (kWh) Energie (soviel verbraucht eine normale 60 Watt-Glühlampe in fünfeinhalb Tagen, eine 11 Watt-Energiesparlampe sogar in einem ganzen Monat!) und 250 Liter Wasser soviel wie einE ChinesIn für fünf Tage zur Verfügung hat.
Außerdem ist der Rohstoff für die Papierherstellung Holz und zwar im Gegensatz zur Aussage einer großen Werbekampagne der Weißpapierindustrie Holz aus Kahlschlag. 80 bis 90% des deutschen Zellstoffbedarfs für die Papierproduktion stammen nach offiziellen Zahlen der Papierindustrie aus dem Ausland, und davon wiederum 40% aus Kanada. In Kanada gibt es (noch) ausgedehnte gemäßigte Regenwälder, in denen auf die Fläche umgerechnet mehr biologisches Material lebt als irgendwo anders, selbst mehr als in den Tropischen Regenwäldern. Diese einzigartigen Wälder werden meist im Kahlschlag abgeholzt. Es folgt Erosion, bei der Wind und Wasser die fruchtbare Bodenschicht abtragen, so daß nicht mal die Wiederaufforstung mit ökologisch auch nicht gerade vorbildlichen Monokulturen möglich ist.
Durch die Abholzungen gehen den Ureinwohnern ihre Lebensgrundlagen verloren, da sowohl der Wald als auch die Flüsse zerstört sind. Auch schert sich die kanadische Regierung nicht um die Landrechte der Ureinwohner, die sowohl in der kanadischen Verfassung als auch im Völkerrecht garantiert sind die IndianerInnen in British Columbia an der Westküste Kanadas zum Beispiel haben nie auf ihre Landrechte verzichtet und sich nie den Weißen unterworfen. Trotzdem gibt die Regierung großflächige Einschlagkonzessionen. Widerstand wird brutal gebrochen, schon viele IndianerInnen wurden ermordet.
Auch in anderen Gebieten mit nördlichen Urwäldern (Skandinavien, Rußland) geht die Zerstörung in erschreckendem Maße voran. Da die Wachstumsperioden im Sommer nur sehr kurz sind (Fußstapfen im Moos sind über Jahre hinweg sichtbar!), kann auf den abgeholzten Flächen frühestens in einigen hundert Jahren wieder etwas wachsen und auch das ist fraglich, denn die Bäume der Urwälder hatten einen intakten Wald um sich herum, als sie aufgewachsen sind. Übrigens: Das Öko-Siegel einiger Hersteller von weißem Papier ohne Zellstoff aus den Tropen ist reiner Etikettenschwindel. Selbstverständlich wird dieses Papier ohne Zellstoff aus den Tropen produziert. Wie jedes andere Papier auch. Denn Tropenholz ist für die Papierproduktion überhaupt nicht geeignet.
Die Alternative heißt Recycling- bzw. Umweltschutzpapier. Es besteht aus 100% Altpapier. Das hat mehrere positive Effekte: Recycling- bzw. Umweltschutzpapier verbraucht bei seiner Herstellung deutlich weniger Energie und Wasser (Recyclingpapier: 3,6 kWh Energie, 16 Liter Wasser pro kg Papier, Umweltschutzpapier: 2 kWh Energie, 5 Liter Wasser pro kg Papier), und die Abwässer werden deutlich weniger stark verschmutzt, weil der besonders umweltschädliche Prozeß der Umwandlung des Holzes in Papierfasern wegfällt. Außerdem verringert der Altpapiereinsatz die riesigen Müllberge Deutschlands. Und da kein Holz benötigt wird, werden die Urwälder der Nordhalbkugel für kommende Generationen bewahrt.
Papierfasern lassen sich etwa sechsmal hochwertig recyceln, danach können sie immerhin noch zu Kartons etc. verarbeitet werden. Wenn wir davon ausgehen, daß immer ein bestimmter Anteil Papierfasern verlorengeht (für Bilder, Banknoten, Toilettenpapier), ergibt sich aber immer noch eine mögliche Recyclingquote von etwa 80%. Davon sind wir bisher weit entfernt, insbesondere im Bereich der graphischen (Schreib-, Druck-, ...) Papiere.
Recyclingpapier ist zu erkennen am Blauen Engel, Umweltschutzpapier an den Markennamen vup, ökopa, AP und Papiertiger. Der Begriff Umweltschutzpapier ist nicht geschützt und deshalb kein ausreichendes Kriterium.
Schnellhefter aus Kunststoff bringen ein großes Müllproblem mit sich. Denn nach einem Jahr sind sie reif für den Müll. Außerdem werden sie aus Erdöl hergestellt, das nur sehr begrenzt vorhanden ist und bei seiner Förderung erheblich ökologische und soziale Probleme mit sich bringt siehe zum Beispiel die Shell-Ölförderung im Diktaturstaat Nigeria.
Die Alternative besteht auch hier wieder aus 100% Altpapier. Denn zur Produktion von Recycling- und Umweltschutzpapier werden einerseits die begrenzten Ölvorräte der Erde nur minimal beansprucht, andererseits sind Papphefter mit Metallteilen fast problemlos recycelbar Papierteile ins Altpapier, Metallteile ins Altmetall.
Oft ist die Federtasche selber schon Problem: Plastikfedertaschen sind meist sehr kurzlebig und stellen daher ein Müllproblem dar. Zur Verschwendung begrenzter Ressourcen siehe oben. Aber auch Leder ist nicht unproblematisch. Ledermäppchen sind zwar meist besser verarbeitet und gehen nicht so schnell kaputt, aber konventionelles Leder ist mit Schwermetallen gegerbt deshalb gehört konventionelles Leder auch nie in den Haus-, sondern immer in den Sondermüll. Auch biologisches Leder ist nicht an sich umweltfreundlich, sondern verursacht bei seiner Produktion starke Umweltbelastungen. Relativ unproblematisch sind dagegen Federtaschen aus Stoff. Leder ist empfehlenswert, wenn die Lederprodukte gut verarbeitet und somit langlebig sind, da es recycelbar ist und überwiegend sowieso anfällt.
Der Inhalt der Federtasche sollte nicht aus Filzstiften und Tintenkiller bestehen. Diese bestehen nämlich wie so vieles aus Kunststoff, der die bekannten Probleme mit sich bringt, und sind nicht sehr langlebig. Die wenigsten Filzstifte enthalten noch giftige Lösungsmittel, so daß wenigstens die Gesundheitsgefahr dadurch gebannt ist. Als Alternativen bieten sich unlackierte Buntstifte an. Sie trocknen nicht aus, sind zumindest bei deutschen Produkten völlig ungiftig und unproblematisch in der Produktion und in der Entsorgung. Buntstifte gibt es auch in Leuchtfarben, die gegenüber Filzstift-Textmarkern noch den Vorteil haben, daß sie Tinte nicht löschen. Den Verzicht auf Tintenkiller akzeptieren mittlerweile die meisten LehrerInnen spätestens, wenn Ihr einfach mit Lineal durchstreicht.
Füllhalter der unteren und teilweise auch der höheren Preisklassen werden meist mit Tintenpatronen bestückt. Um auf umweltfreundliche Tinte aus dem Faß umzusteigen und so den Müllberg zu verringern, muß aber nicht gleich der Füller den Müllberg vergrößern. Denn für alle Patronenfüller gibt es Konverter zum Nachrüsten, die einfach eingesetzt werden und das Ansaugen der Tinte aus dem Glas erlauben.
Korrekturflüssigkeiten sind meist das Giftigste auf dem Schreibtisch bzw. in der Schultasche. Sie enthalten giftige Lösungsmittel (was auch zu riechen ist) und hinterlassen große Müllberge. Die Korrekturflüssigkeiten auf Wasserbasis sind weniger giftig, aber trotzdem für den normalen Schul- und Unibetrieb einfach unnötig.
Beim Kauf von Klebstoffen solltet Ihr die Finger von der ganzen Palette lösungsmittelhaltiger Kleber lassen. Die Lösungsmittel können süchtig machen und Gehirnzellen zerstören. Zum Papierkleben reichen einfache Klebstoffe auf Kartoffelstärkebasis wie z.B. Pro Coll aus, die Ihr auch selber machen könnt. Die ganzen Kleinverpackungen stellen natürlich auch wieder ein Müllproblem dar, insbesondere, weil wegen der Inhaltsreste nicht mal ein vernünftiges Recycling möglich ist. Also selber machen oder Nachfüllpackungen kaufen.
Radiergummis bestehen meist aus dem Gift-Kunststoff PVC, versetzt mit giftigen Weichmachern. Bei der Verbrennung von PVC entstehen u.a. die Supergifte der Gruppe der Dioxine. Als Alternative bieten sich Radiergummis aus Kautschuk an. Sie enthalten zwar teilweise auch Halogene, sind aber im Moment das Optimum.
Anspitzer sollten nicht aus Plastik (gehen so schnell kaputt), sondern aus Metall oder Holz sein und ein austauschbares Messer haben.
Kugelschreiber stellen vor allem ein Müllproblem dar, außerdem ist die Schreibpaste giftig. Wenn Kugelschreiber, dann nur langlebige Stifte mit auswechselbaren Minen.
Lineale aus normalem Kunststoff sind ebenfalls schnell kaputt. Es bieten sich Holzlineale an; für Geodreiecke empfiehlt sich Plexiglas. Plexiglas-Geodreiecke kosten zwar erst mal doppelt soviel, sind aber praktisch unzerstörbar.
Allgemein sollte ein wichtiges Kriterium beim Schulmaterialeinkauf die Langlebigkeit sein. Das schont die Umwelt und spart auf Dauer auch Geld.
Geld sparen läßt sich auch durch den gemeinsamen Einkauf umweltfreundlicher Schulmaterialien im Großhandel, landläufig auch Umweltschutzpapierverkauf genannt. Umweltschutzpapier und anderer Schulbedarf wird in größeren Mengen eingekauft und an der Schule verkauft. Durch die Großhandelspreise ergeben sich Rabatte, die wirklich für sich sprechen. Durch gemeinsame Bestellung mit anderen Schulen lassen sich nochmals günstigere Preise erzielen. Eine gute Ansprechpartnerin dafür: SchülerInnen Aktion Umwelt.
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